Was ist IFC — und wie exportiert man ein Leitungsnetz nach BIM (3D-Modell)?

Immer mehr Projekte — vor allem große und öffentliche — verlangen neben Zeichnungen auch ein 3D-Modell. Der Hochbau arbeitet seit Jahren mit BIM; bei Ver- und Entsorgungsnetzen geht es schneller voran, als viele erwarten: Für Bundesfernstraßen und Schienenprojekte ist BIM in Deutschland seit Ende 2020 verbindlich, und kommunale Auftraggeber ziehen nach. Die gemeinsame Sprache dieses Austauschs ist das Format IFC. Altivo exportiert das entworfene Netz direkt nach IFC und als 3D-DXF — dieser Artikel erklärt, was das Format ist und wie Sie es nutzen.
Was ist IFC?
IFC (Industry Foundation Classes) ist ein offenes, herstellerneutrales Format für BIM-Modelle, entwickelt von buildingSMART und genormt als ISO 16739. Am einfachsten stellt man es sich als „PDF für BIM-Modelle" vor: Egal, worin geplant wurde — Revit, ArchiCAD, Allplan, Civil 3D — ein als IFC gespeichertes Modell öffnet jede Software, die den Standard unterstützt. IFC ist der Kern des openBIM-Ansatzes, den öffentliche Auftraggeber in Deutschland in ihren Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) regelmäßig fordern.
Anders als DXF, das Zeichnungsgeometrie transportiert (Linien, Texte, Layer), transportiert IFC Objekte mit Bedeutung: Ein Rohr ist ein IfcPipeSegment mit Material und Durchmesser, ein Schieber ein IfcValve, ein Hydrant ein IfcFireSuppressionTerminal. Die empfangende Software sieht keine „Striche", sondern Netzelemente, die sich filtern, auswerten und auf Kollisionen prüfen lassen.
Wozu braucht ein Netzplaner IFC?
- Gewerkeübergreifende Koordination. Der Generalplaner oder Auftragnehmer führt die Modelle aller Gewerke zusammen und findet Kollisionen, bevor sie auf der Baustelle auftauchen. Ein als IFC geliefertes Netz fügt sich an der richtigen Stelle ins Koordinationsmodell ein.
- Anforderungen der Auftraggeber. Bei Bundesinfrastruktur ist BIM Pflicht, und auch Stadtwerke und Kommunen verlangen zunehmend IFC-Lieferobjekte in ihren AIA.
- Prüfung und Übergabe. Ein IFC-Modell öffnet jeder kostenlose Viewer (z. B. BIMvision oder openIFCviewer) — der Prüfer braucht keine Lizenz, um das Netz in 3D mit echten Höhen zu begutachten.
Was Altivo genau exportiert
Der 3D-Export in Altivo erzeugt eine IFC-4-Datei — ein Referenzmodell des Netzes:
- Leitungen als Elemente mit ihren realen Durchmessern, geführt auf den geplanten Höhen — in vollen Landeskoordinaten,
- Armaturen und Einbauten, auf die passenden IFC-Klassen abgebildet, unter anderem:
| Objekt in Altivo | IFC-Klasse |
|---|---|
| Schieber, Be-/Entlüftungsventil | IfcValve |
| Hydrant | IfcFireSuppressionTerminal |
| Straßenablauf | IfcWasteTerminal |
| Abscheider | IfcInterceptor |
| Schutzrohr | IfcPipeSegment (ObjectType „CASING") |
| Kabelschutzrohr | IfcCableCarrierSegment |
- manuell erfasste Kreuzungen mit Fremdleitungen — als kurze, quer zur Trasse liegende Abschnitte mit eingegebenem Durchmesser und Achshöhe, sodass Konflikte mit Bestandsleitungen im Koordinationsmodell sichtbar werden.
Sie können mehrere Netze auf einmal exportieren — jede Sparte landet separat im Modell, mit ihren eigenen Objekten.
Georeferenzierung: das Modell steht am richtigen Ort
Die größte Falle jedes 3D-Exports ist die Lage des Modells im Raum. Altivo löst das explizit:
- Beim Export wählen Sie das Koordinatensystem (EPSG-Code) — z. B. ETRS89/UTM Zone 32 (EPSG:25832) oder Zone 33 (EPSG:25833); das CRS-Label wird so in die IFC-Datei geschrieben, dass BIM-Software es maschinell liest,
- Sie legen die Achsenzuordnung E/N fest. In manchen Vermessungskonventionen steht die X-Achse für den Hochwert — eine Fehlinterpretation verschiebt das Modell um Hunderte Kilometer, deshalb zeigt Altivo vor dem Export eine Vorschau der resultierenden Koordinaten,
- der Export-Offset wird zusätzlich im Property-Set
Altivo_Georeferencegespeichert, sodass sich die Quellkoordinaten jederzeit rekonstruieren lassen.
In Revit laden Sie die Datei über „IFC verknüpfen" (Georeferenzierung wird ab Revit 2026 vollständig unterstützt). Eine ehrliche Einschränkung: Es handelt sich um ein Referenzmodell zur Koordination — nicht um native, editierbare Revit-Rohre.
3D-DXF — für alle, die in CAD bleiben
Nicht jeder Empfänger arbeitet mit BIM. Deshalb exportiert Altivo neben IFC auch ein 3D-DXF: Leitungsachsen als 3D-Linien plus vereinfachte Körper nach Durchmesser, in vollen E/N-Koordinaten. Das ist eine fertige Höhenunterlage für AutoCAD oder Civil 3D — ohne BIM-Objekte, aber mit der echten Geometrie des Netzes im Raum.
So geht es in Altivo — Schritt für Schritt
- Öffnen Sie das Projekt und klicken Sie auf Export, dann auf den Reiter „3D / BIM".
- Wählen Sie die Formate: IFC, 3D-DXF oder beide.
- Stellen Sie das Koordinatensystem (EPSG) ein und prüfen Sie die Achsenzuordnung E/N in der Vorschau.
- Wählen Sie die zu exportierenden Netze und klicken Sie auf 3D exportieren.
Zwei technische Voraussetzungen: Das Netz muss im Koordinatenmodus erfasst sein (nicht schematisch, nur über Entfernungen) und Geländehöhen müssen vorhanden sein. Fehlt etwas, zeigt der Exportdialog genau, welches Netz und welcher Punkt betroffen sind.
Den kompletten Planungsablauf — vom Koordinatenimport bis zum klassischen, flachen Profil-DXF — beschreibt unsere Anleitung Längsschnitt der Kanalisation als DXF, Schritt für Schritt.
Fazit
IFC ist heute der sicherste Weg, einen Netzentwurf in die BIM-Welt zu übergeben: ein offener Standard, lesbar für jedes Werkzeug, mit Objekten statt Strichen. In Altivo exportieren Sie dasselbe Projekt, aus dem Längsschnitt und 2D-DXF entstehen, mit einem Klick auch als georeferenziertes IFC-Modell und 3D-DXF-Unterlage.
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