Längsschnitt einer Abwasserdruckleitung — Hochpunkte, Be-/Entlüftung und DXF

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Längsschnitt einer Abwasserdruckleitung — Hochpunkte, Be-/Entlüftung und DXF

Kurz gesagt

Der Längsschnitt einer Abwasserdruckleitung zeigt Rohrachse, Gelände, Überdeckung, Hoch- und Tiefpunkte, Pumpwerk, Armaturen und Kreuzungen. Anders als beim Freispiegelkanal bestimmt kein durchgehendes Sohlgefälle den Abfluss. In Altivo ist die Abwasserdruckleitung eine eigene Netzart mit achsbezogenen Höhen, abschnittsweiser Berechnung von Fließgeschwindigkeit und Rohrreibungsverlust sowie DXF- und georeferenziertem IFC-Referenzmodell-Export.

Eine Abwasserdruckleitung ist kein Freispiegelkanal mit einer Pumpe am Anfang. Ihr Höhenprofil beeinflusst, wo Luft und Faulgase eingeschlossen werden können, welche Leitungsabschnitte zwischen Pumpzyklen teilweise leerlaufen, wie sich die statische Förderhöhe zusammensetzt und wo Armaturen für Betrieb und Instandhaltung zugänglich sein müssen. Genau deshalb ist der Längsschnitt der Druckrohrleitung eine zentrale Planungsunterlage — nicht nur eine Zeichnung für die Abgabe.

Für Deutschland bildet die DIN EN 16932-2, die DIN EN 1671 ersetzt hat, zusammen mit dem ergänzenden DWA-A 120-2 den Rahmen für Planung, Bau und Abnahme von Druckentwässerungssystemen, Pumpanlagen und Hebewerken. Die hydraulische Dimensionierung und der Leistungsnachweis werden im Arbeitsblatt DWA-A 113 „Hydraulische Dimensionierung und Leistungsnachweis von Abwasserdrucksystemen“ vertieft. In Österreich und der Schweiz sind zusätzlich die nationalen Vorgaben und die Anforderungen des jeweiligen Betreibers maßgebend.

Abwasserdruckleitung oder Freispiegelkanal?

MerkmalFreispiegelkanalAbwasserdruckleitung
AntriebSchwerkraftPumpwerk oder Drucksystem
Bezugshöhe im ProfilRohrsohleRohrachse, ergänzt um Scheitel und Sohle
HöhenverlaufSohlgefälle bestimmt den Abflusskann mit Gelände und Randbedingungen steigen und fallen
Kritische PunkteSchächte, Einbindungen, AbstürzePumpwerk, Hoch- und Tiefpunkte, Be-/Entlüftung, Übergabepunkt
HydraulikFüllgrad, Fließgeschwindigkeit, Leistungsfähigkeitstatische Höhe, Rohrreibung, Einzelverluste, Pumpenbetrieb, Luft-/Gaseinschlüsse

Während des Pumpenlaufs wird die Leitung als Druckleitung betrieben. Bei intermittierendem Betrieb kann sie sich je nach Höhenprofil jedoch teilweise entleeren; hinter Hochpunkten sind zeitweise Freispiegelabschnitte möglich. Auch Luft und aus dem Abwasser freigesetzte Gase verändern den wirksamen Querschnitt. Ein Längsschnitt muss deshalb mehr zeigen als eine gleichmäßige Überdeckung.

Wer stattdessen einen Freispiegelkanal mit Sohlgefälle und Schächten plant, findet den passenden Ablauf unter Kanalisations-Längsschnitt als DXF — Schritt für Schritt.

Was gehört in den Längsschnitt?

Der konkrete Planinhalt richtet sich nach Auftraggeber, Betreiber, Genehmigungsstand und Landesvorgaben. Als technische Checkliste gehören typischerweise dazu:

  • Bestands- und Planungsgelände mit Stationierung,
  • die Höhenkoten der Rohrachse an Knoten und Knickpunkten,
  • Außendurchmesser, Wanddicke beziehungsweise SDR-Klasse oder Rohrreihe, Innendurchmesser und Werkstoff,
  • Überdeckung über die gesamte Trasse,
  • Pumpwerk und Einleit- oder Übergabepunkt, gegebenenfalls ein Druckentspannungs- oder Übergabeschacht,
  • Hochpunkte mit dem Ergebnis der Be- und Entlüftungsplanung,
  • Tiefpunkte mit vorgesehenen Entleerungs-, Spül- oder Revisionsmöglichkeiten,
  • Absperr-, Rückschlag- und Be-/Entlüftungsarmaturen,
  • Düker bei tatsächlichen Unterquerungen, teilweise leer laufende Abschnitte und weitere hydraulische Besonderheiten,
  • Leitungskreuzungen mit Fremdnetzen und deren Kreuzungshöhen,
  • Schutzrohre, Straßen-, Bahn- und Gewässerquerungen,
  • Grundwasserstände, wenn sie Bauweise, Auftriebssicherheit oder Ausführung beeinflussen.

Die Düker-STRATE-Projektierungshilfe für Belüftung, Spülung und Teilentleerung fordert den Längsschnitt ausdrücklich als Grundlage, um Hochpunkte, Be- und Entlüftungsventile, Düker und teilweise leer laufende Leitungsbereiche beurteilen zu können. Das ist eine Herstellerunterlage und ersetzt das Regelwerk nicht, zeigt aber sehr konkret, welche Informationen aus dem Höhenprofil für die Armaturenplanung benötigt werden.

Warum Hochpunkte und Tiefpunkte entscheidend sind

An Hochpunkten können Luft und Gase aus dem Abwasser zusammenkommen. Die Gaspolster verkleinern den hydraulisch wirksamen Querschnitt, erhöhen den Energiebedarf und können Förderleistung sowie Betriebssicherheit beeinträchtigen. In einer realen Abwasserdruckleitung sind außerdem Geruch, Korrosion, Feststoffe und der Zugang für Wartung zu berücksichtigen.

Ein Be- und Entlüftungsventil wird deshalb nicht allein nach einem Symbol im Höhenplan ausgewählt. Zu prüfen sind unter anderem:

  • ob der Hochpunkt während und nach dem Pumpenlauf gefüllt bleibt,
  • welche Luftmenge beim Füllen abgeführt werden muss,
  • ob bei Pumpenstillstand oder Pumpenausfall Unterdruck entstehen kann,
  • ob Grob-, Fein- oder kombinierte Be- und Entlüftung erforderlich ist,
  • wie austretende Abluft behandelt und die Armatur gewartet wird.

Die unterschiedlichen Aufgaben von Ventilen an dauerhaft gefüllten und an leer laufenden Hochpunkten beschreibt Düker in der Übersicht zu Be- und Entlüftungsventilen für Abwasserdruckleitungen.

Tiefpunkte sind für Entleerung, Spülung und Revision relevant. Ob dort eine Entleerungsmöglichkeit vorgesehen wird und wohin das Medium sicher abgeleitet werden kann, ist Teil des Betriebs- und Anlagenkonzepts. Eine eingezeichnete Armatur allein ist noch keine betriebsfähige Lösung.

Welche Berechnungen zum Höhenprofil gehören

Für die Pumpenauslegung reicht der Rohrreibungsverlust nicht. Die erforderliche Anlagenförderhöhe setzt sich je nach System und Betriebsfall unter anderem zusammen aus:

  1. geodätischer Förderhöhe zwischen den maßgebenden Wasserspiegeln oder Druckniveaus,
  2. Rohrreibungsverlusten aus Länge, Innendurchmesser, Rauheit und Durchfluss,
  3. Einzelverlusten an Bögen, Armaturen, Rückschlagarmaturen und Einbauten.

Für den vollständigen Leistungsnachweis sind zusätzlich die Einflüsse von Luft- und Gaseinschlüssen, teilweise gefüllten Abschnitten und wechselnden Betriebszuständen zu bewerten. Der tatsächliche Betriebspunkt ergibt sich aus dem Schnittpunkt von Anlagenkennlinie und Pumpenkennlinie; die Pumpenkennlinie selbst ist kein Bestandteil der erforderlichen Anlagenförderhöhe.

Bei Abwasser kommen Ablagerungs- und Verstopfungsgefahr, Aufenthaltszeit, anaerobe Zersetzung, Geruch und Korrosion hinzu. Deshalb nennt DWA-A 113 nicht eine einzige universelle „richtige Geschwindigkeit", sondern verlangt die Bewertung des gesamten Systems und seiner Betriebsweise.

Auch ein stationär plausibler Betrieb schützt nicht automatisch vor Druckstößen. Pumpenausfall, schnelles Schließen von Armaturen oder das Verhalten von Be- und Entlüftungsventilen können unzulässig hohe oder niedrige Drücke verursachen. Eine Druckstoßuntersuchung benötigt unter anderem das vollständige Höhenprofil, Rohr- und Armaturendaten, Pumpenkennfelder und die betrachteten Schaltvorgänge.

Längsschnitt der Abwasserdruckleitung in Altivo erstellen

1. Die richtige Netzart wählen

Legen Sie das Netz als Abwasserdruckleitung an, nicht als Freispiegelkanal. Damit verwendet der Längsschnitt die Rohrachse als Höhenbezug und die Abschnitte erhalten die Logik einer Druckleitung.

2. Trasse und Gelände aufbauen

Fügen Sie Koordinaten aus einer Tabelle oder aus CAD ein, erstellen Sie Haupttrasse und Abzweige und ergänzen Sie Bestands- sowie Planungshöhen. Zusätzliche Geländepunkte sind dort sinnvoll, wo sich das Gelände zwischen den Knoten deutlich ändert.

Lageplan in Altivo mit Trasse, Knoten und Punktliste in deutscher Oberfläche

3. Rohrachse und Überdeckung prüfen

Tragen Sie die geplanten Achshöhen ein oder leiten Sie den Verlauf aus der vorgesehenen Tiefe ab. Kontrollieren Sie die Überdeckung über die gesamte Trasse und kennzeichnen Sie Hochpunkte, Tiefpunkte, Düker und Übergänge. Für Scheitel- oder Sohlhöhen ist der tatsächliche Außendurchmesser des gewählten Rohres maßgebend; DN darf nicht ungeprüft mit dem Außendurchmesser gleichgesetzt werden.

4. Armaturen, Bauwerke und Kreuzungen ergänzen

Aus der Objektbibliothek lassen sich unter anderem Pumpwerk, Entlüftungsventil, Schieber, Kammer und Schutzrohr platzieren. „Entlüftungsventil" bezeichnet dabei das Zeichnungsobjekt; Ventiltyp, Dimensionierung, Abluftbehandlung und Zugänglichkeit bleiben Teil der Fachplanung. Kreuzungen erhalten eine Lage und Höhe und erscheinen damit im Profil. Mehr zum Ablauf: Kreuzungen und Objekte im Längsschnitt.

5. Rohrreibungsverlust abschnittsweise kontrollieren

Für PE-Rohre bestimmt Altivo den Innendurchmesser aus dem Außendurchmesser und der erkannten Klasse SDR 11/PN 16 oder SDR 17/PN 10. Enthält die Materialangabe keine dieser Klassen, wird für die Abwasserdruckleitung SDR 17 angenommen. Aus Auslegungsdurchfluss und Abschnittslänge berechnet das Programm anschließend die Fließgeschwindigkeit und den spezifischen Rohrreibungsverlust (Druckverlustgefälle) nach Darcy-Weisbach, mit einer festen Wassertemperatur von 10 °C und einer absoluten PE-Rauheit von 0,007 mm.

Zusätzlich wird der aus der Länge resultierende Reibungsverlust des einzelnen Abschnitts angezeigt. Die Berechnung ist eine schnelle Plausibilitätskontrolle für PE-Rohre, kein universelles Modell für beliebige Werkstoffe und kein hydraulischer Leistungsnachweis nach DWA-A 113.

Nicht enthalten sind insbesondere:

  • geodätische Förderhöhe,
  • Einzelverluste von Formstücken und Armaturen,
  • Pumpen- und Anlagenkennlinie,
  • Wechselwirkungen in verzweigten Netzen,
  • zeitabhängiges Füll- und Entleerungsverhalten,
  • Luft- und Gaseinschlüsse,
  • Druckstoß- und andere instationäre Berechnungen.

6. Datenband konfigurieren und exportieren

Im Datenband wählen Sie die benötigten Zeilen, etwa Gelände, Rohrachse, Überdeckung, Stationierung, Länge, Durchmesser, Werkstoff und Abschnittsberechnung. Der fertige Längsschnitt lässt sich als DXF mit editierbarem Text und getrennten Layern in AutoCAD, BricsCAD, ZWCAD oder GstarCAD weiterbearbeiten.

Längsschnitt in Altivo mit Geländelinie, Leitungsachse, Objekten und deutschem Datenband

Für die räumliche Koordination exportiert Altivo zusätzlich ein georeferenziertes IFC-3D-Referenzmodell. Es übergibt Netzgeometrie und Objekte, ersetzt aber kein natives BIM-Fach- oder Ausführungsmodell. Einzelheiten: Leitungsnetze als IFC nach BIM übergeben.

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich der Längsschnitt einer Abwasserdruckleitung vom Freispiegelkanal? Beim Freispiegelkanal bestimmen Sohlhöhe und Gefälle den Abfluss. Eine Abwasserdruckleitung wird durch Pumpen beaufschlagt und kann im Höhenprofil steigen und fallen. Deshalb werden Rohrachse, Überdeckung, Hoch- und Tiefpunkte, Be- und Entlüftung sowie die hydraulischen Betriebszustände betrachtet.

Welche Höhenkote wird bei einer Abwasserdruckleitung angegeben? Als geometrische Bezugslinie eignet sich die Rohrachse. Für Be- und Entlüftung, Entleerung und Kollisionsprüfung sind zusätzlich Rohrscheitel und Rohrsohle relevant; sie werden aus Achshöhe und tatsächlichem Außendurchmesser abgeleitet.

Muss an jedem Hochpunkt ein Be- und Entlüftungsventil sitzen? Nicht automatisch. Der Längsschnitt identifiziert die Hochpunkte, aber Ventilart und Einbauort ergeben sich aus den Betriebszuständen, dem Füll- und Entleerungsverhalten, dem möglichen Unterdruck sowie der fachlichen hydraulischen Bemessung.

Berechnet Altivo die Pumpe und den vollständigen Systemdruck? Nein. Für PE-Rohre berechnet Altivo Fließgeschwindigkeit und Rohrreibungsverlust bei einer festen Wassertemperatur von 10 °C und einer absoluten Rauheit von 0,007 mm. Der Innendurchmesser folgt aus der erkannten Klasse SDR 11 oder SDR 17. Geodätische Höhe, Einzelverluste, Pumpen- und Anlagenkennlinie, Netzwechselwirkungen und Druckstöße müssen außerhalb von Altivo nachgewiesen werden.

Kann der Längsschnitt nach CAD und BIM übergeben werden? Ja. Altivo exportiert den Längsschnitt als bearbeitbares DXF und die georeferenzierte Netzgeometrie als IFC-3D-Referenzmodell. Das IFC dient der Koordination und ersetzt kein natives BIM-Fachmodell oder Ausführungsmodell.

Vom Höhenprofil zur belastbaren Fachplanung

Ein guter Längsschnitt macht die kritischen Stellen einer Abwasserdruckleitung sichtbar: Hoch- und Tiefpunkte, teilweise leer laufende Bereiche, Kreuzungen, Armaturen und die geodätischen Randbedingungen. Altivo hält Lageplan, Profil und Datenband aus einem gemeinsamen Datensatz konsistent und beschleunigt die Übergabe nach CAD und BIM.

Die fachliche Dimensionierung bleibt bewusst getrennt: Pumpenauslegung, vollständige Anlagenkennlinie, Betriebskonzept und instationäre Nachweise gehören in die hydraulische Planung. So wird aus einer schnellen Zeichnung keine falsche Sicherheit, sondern eine verlässliche Grundlage für die nächsten Planungsschritte.

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